«Schwammstadt»
27. Okt 2026
Die Auswirkungen des Klimawandels sind in der Schweiz zunehmend spürbar und betreffen auch die Gemeinde Moosseedorf direkt.
Steigende Durchschnittstemperaturen und längere Hitzeperioden belasten die Siedlungsräume, während gleichzeitig die Niederschläge extremer werden. Obwohl die Sommer tendenziell trockener ausfallen, treten vermehrt intensive Starkregenereignisse auf. Diese führen innerhalb kurzer Zeit zu grossen Mengen an oberflächlich abfliessendem Regenwasser, welche die bestehende Entwässerungsinfrastruktur teilweise überlasten.
In Moosseedorf ist insbesondere das Regenbecken beim Strandbad betroffen, welches als Mischwasserentlastung im Einzugsgebiet des Urtenenbachs dient. Aufgrund der begrenzten Kapazitäten des Gewässers und des Durchlasses der Urtenen kommt es bei Starkregen vermehrt zu Rückstauereignissen. Dabei fliesst Wasser aus dem Urtenenbach zurück in den Moossee.

Die Idee der Schwammstadt lässt sich leicht erklären: Die Stadt verhält sich wie ein Schwamm. Sie speichert Regenwasser, anstatt es möglichst schnell abzuleiten, und gibt es bei Bedarf wieder an Boden, Pflanzen und Luft ab.
Doch wie sieht eine Schwammstadt konkret aus?

Regenwasser muss nicht ungenutzt in die Kanalisation fliessen. Mit einer Regentonne oder einem Wassertank lässt es sich speichern und später zur Bewässerung des Gartens verwenden. Durch entsiegelte Flächen und wasserdurchlässige Beläge kann Regenwasser direkt versickern. Grünflächen, Stauden und Bäume speichern Wasser und geben es durch Verdunstung wieder an die Umgebung ab. So entsteht ein angenehmeres Mikroklima.

Als Gemeinde möchten wir mit gutem Beispiel vorangehen und prüfen deshalb bei künftigen Bauprojekten, ob und welche Elemente des Schwammstadt-Prinzips integriert werden können. Dies betrifft beispielsweise die Sanierung von Strassenabschnitten oder grössere Umgestaltungen auf öffentlichem Grund. Auf Grundlage einer Potenzialstudie der Firma Holinger hat eine Projektgruppe die Planung möglicher Schwammstadt-Massnahmen aufgenommen. Ziel ist es, geeignete Lösungen zur Regenwasserbewirtschaftung, Begrünung und Klimaanpassung in das Projekt zu integrieren. Darüber hinaus soll ein praxisnaher Leitfaden erarbeitet werden, der künftig als Arbeitsinstrument für die Planung und Umsetzung von Bauvorhaben der Gemeinde dient. Dadurch können Erfahrungen aus aktuellen Projekten systematisch genutzt und Schwammstadt-Massnahmen langfristig in der Gemeinde verankert werden.
Doch welchen Beitrag kann ich als Hauseigentümer leisten?
Mit Dachbegrünungen, der Nutzung von Regenwasser, der Pflanzung von Bäumen sowie der Entsiegelung von Flächen kann Regenwasser auf dem eigenen Grundstück gespeichert, versickert und verdunstet werden. Dadurch wird die Kanalisation bei Starkregen entlastet, das Risiko von Überschwemmungen reduziert und das lokale Klima verbessert.
Viele kleine Massnahmen auf Privatgrundstücken ergeben in ihrer Summe eine grosse Wirkung und leisten einen wertvollen Beitrag zu einer klimaangepassten und nachhaltigen Entwicklung unserer Gemeinde und entlasten gleichzeitig die Mischwasserkanalisation.
Die Kommission Umwelt, Natur und Energie möchte die Bevölkerung über das Prinzip der Schwammstadt und dessen vielfältige Vorteile informieren. Ziel ist es, das Bewusstsein für dieses Thema zu stärken und zur Umsetzung geeigneter Massnahmen auf privaten Grundstücken zu motivieren. Gemeinsam können wir dazu beitragen, Moosseedorf widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.
